„Stadtlabor digital“ des Historischen Museums

Jun 6, 2017 | 4 Kommentare

Titel Digitales Stadtlabor Histmus

Franziska Mucha (@FranziskaMucha) , Kuratorin und Digitalbeauftragte des Historischen Museums (@histmus) lud alle „die sich mit digitalen Medien“ beschäftigen, zur Brainstorm-Bar im Museum ein. Ziel war es das Konzept des Stadtlabor Digital kurz vorzustellen und sich dann mit ExpertInnen und Interessierten auszutauschen, wie das digitale Angebot des Museums genutzt bzw. eingesetzt werden könnte.

Start war eine Führung von Susanne Gessner (thanks!) durch das Museum, mit Schwerpunkt auf den neuen Räumen und dem Konzept, das für das neue Museum verfolgt wird.

Über den Neubau des Museums wurde schon viel gesagt ( FAZ-Interview mit dem Direktor des Historischen Museums >>  oder auch ein Beitrag der Hessenschau >>) und es ist zu erwarten, dass noch viele Berichte folgen werden, bis zur Eröffnung im Herbst diesen Jahres. Nur so viel: mir gefallen die Räumlichkeiten und das Konzept gut, der neue Museumshof verändert den Römer positiv. Noch ist der Neubau fast ohne Objekte (hierzu hätte ich noch eine Idee >>) aber man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Räume mit Ausstellung funktionieren.

Auch die neu geschaffenen Ausblicke auf die Stadt sind lohnenswert.

Diesmal kam ich aber wegen der digitalen Konzepte. Ich hatte entschieden, ganz in alter Frankfurter Tradition, mich als Bürgerin zwar nicht mit Geld, aber mit meinem Fachwissen unterstützend zu beteiligen.

Worum geht es?

Das Historische Museum definiert sich als Stadtmuseum, das nicht nur historisches sammelt und kuratiert, sondern auch in der Gegenwart in Frankfurt und mit den FrankfurterInnen gemeinsam aktiv ist. Diesen Ansatz verfolgt das Museum schon lange und das soll jetzt auch digital fortgesetzt werden. Die Stadtlabor-Events der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit den BürgerInnen der Stadt funktionieren kann. Das Bedürfnis ist geweckt, auch einen digitalen Ort zu schaffen an dem dieser Austausch möglich ist.
Geplant ist eine neue Webseite („neues Museumsportal“). Auf ihr wird es möglich User-generierte Inhalte zu sammeln und zu zeigen. Das historische Museum beschreibt das so: „Auf einer digitalen Frankfurt-Karte können Audio-, Video-, Bild-, und Textbeiträge hochgeladen und mit der Community geteilt werden. So entsteht online eine wachsende, kollaborative Sammlung von ortsspezifischem Frankfurt-Wissen.“ Soweit der Plan.
Genaueres kann man beim Vortrag von Franziska Mucha auf dem 85. Webmontag erfahren


Sobald Sie auf das Video klicken wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt und es können Daten von Ihnen über YouTube erhoben werden.

Bei der ersten Brainstorm-Bar, waren von ProgrammiererInnen, über BloggerInnen, PodcasterInnen, Social Media ExpertenInnen, StadtplanerInnen, Museumsmenschen bis hin zu digitalen KonzepterInnen 😉 alles vertreten. Eine gute Mischung um Ideen, Fragen und Anregungen zum geplanten digitalen Labor beizusteuern.
Ich fasse jetzt nicht zusammen, was in den Arbeitsgruppen jeweils gebrainstormt wurde (Nachtrag: es gibt jetzt eine Mindmap >>, die den Abend abzubilden versucht). An meinem Tisch wurde sich sehr konstruktiv ausgetauscht und auseinander gesetzt. Fest stand für alle, dass es nicht damit getan ist, einfach zu sammeln und „hochladen“ zu lassen.

„Partizipieren und sammeln alleine reicht nicht“

So eine geplante Karte, die wenn möglich nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Koordinaten zulässt, über die die hochgeladenen Medien angeordnet werden können, ist schon ganz spannend. Aber wird mit dem, was da gesammelt wird nichts weiter getan, wäre das Projekt verschenkt oder tatsächlich erst in ferner Zukunft zur historischen Rekonstruktion interessant. Das sehen die KuratorInnen genauso. Im Museum wird es einen Raum geben „Frankfurt Jetzt!“, der für die Beteiligung der BürgerInnen am Museum Platz zur Verfügung stellt. Dazu gehört auch die digitale Beteiligung. Die gesammelten Inhalte der Webseite sollen hier repräsentiert sein.
Genau dieser Aspekt interessiert mich schon seit längerer Zeit.

Wie werden die digitalen Inhalte, die sich im „Netz“ tummeln oder gezielt gesammelt werden, wieder in die Lebensräume vor Ort gebracht? Wie wirken sie zurück?

Hierfür ist das Vorhaben des Historischen Museums ein gutes Beispiel. Im Augenblick ist wohl eher daran gedacht, dass die gesammelten Inhalte einfach nur zugänglich sind und/oder wie eine Art  „Stream of Conciousness“ präsentiert werden. Das ist gut, aber natürlich wäre es noch sehr viel spannender, wenn mehr mit ihnen passieren würde. Es ist ein Experiment. Keiner weiß wie viele Menschen sich beteiligen werden und welche Inhalte sie hochladen. Dies wird, da waren wir uns in unserer Brainstorminggruppe sehr einig, stark davon abhängen wie gut das digitale Angebot vom Museum begleitet wird. Mit Workshops und konkreten Aufgabestellungen. Das ist wohl auch schon geplant. Eine Idee wäre, Frankfurter Institutionen zu bitten eine Frage zu stellen, die dann über Uploads beantwortet werden kann. Gemeinsam mit dem Museum können dann die Ergebnisse erlebbar gemacht werden. Dies würde den Arbeitsaufwand aufteilen, für Verbreitung sorgen, Institutionen bekannter machen usw. usw. Ob Frankfurter Versorgungsamt oder Mousonturm. Ob Sportverein, Bibliothek oder FAZ … vieles wäre möglich und würde Frankfurter untereinander verbinden.

Das „Labor“ auch forschend einsetzen

Neben kurzfristigen Aktionen, fände ich es außerdem interessant, wenn man das „Labor“ auch forschend einsetzen würde. Zum Beispiel indem FrankfurterInnen gemeinsam über einen gewissen Zeitraum Daten sammeln und auf dem Museumsportal zusammentragen. Ich denke daran, welch große Resonanz das Einrichten privater Wetterstationen in der Nation hatte. Die Auswertung der Daten würde uns alle etwas mehr über unsere Stadt erfahren lassen. Über so ein Projekt könnte der wissenschaftliche Zugang zur Alltagskultur vermittelt werden und anderes Wissen, als über die rein subjektiven Einsendungen erworben werden. Beides ist spannend und die Kombination faszinierend. Aber auch die vielen einzelnen Einsendungen sollten nicht nur über Tags/Stichwörter gefiltert werden können, sondern mit ihnen sollte man regelmäßig etwas machen.
Hier einige meiner Ideen:

  • Spontan fällt mir eine Art Hackathon ein, den man ein Mal im Jahr veranstalten kann und Frankfurter.Künstler.Historiker.Nerds gemeinsam etwas Neues aus dem Material kreieren.
  • Entwickelt eine digitale Skulptur
  • Macht ein- zweimal im Jahr eine Führung, die nur mit den gesammelten digitalen Materialien arbeitet. Ladet dazu auch die MacherInnen ein.
  • Macht einen Storytelling Wettbewerb, der das vorhandene Material nutzt. Oder bietet dazu einen Workshop an.
  • Stellt Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit her, indem ihr die aktuell eingesendeten digitalen Dokumente mit Ausstellungsstücken oder Materialien aus dem Archiv kombiniert.
  • Macht Mehrgenerationen-Events, in denen gegenseitig von einander gelernt werden kann – über die Stadt, die Technik und den Umgang mit Geschichte und Geschichten.
  • Macht Zukunftsworkshops, die mit aktuellem und historischem Material Zukunftsvisionen und politische Forderungen für die Stadt formulieren.

Ach, so viele Möglichkeiten und Einfälle! Ich weiß, vieles wird an den Realitäten (Geld, Zeit, Kapazitäten) scheitern. Aber es ist einen Versuch wert und die ein oder andere spannende Idee könnte ausgearbeitet (ich habe da auch mehr im Kopf, aber das sprengt jetzt den Rahmen meines Posts) und ausprobiert werden. Der Ansatz, dass sich das Museum öffnet, Kontakt aufnimmt mit Institutionen und Menschen, die etwas beisteuern können, finde ich sehr gut. Denn schon dieser eine Abend hat interessante Menschen zusammen kommen lassen. Es gab gute Gespräche und wer weiß, ob irgendwann Verbindungen und Kollaborationen entstehen, die irgendwo im digitalen Labor ihren Anfang genommen haben.

In diesem Sinne, mein erster stiftender Beitrag. Ich werde auch gerne an der zweiten Brainstorm-Bar teilnehmen.


Noch ein paar Bilder vom Tag


Weitere Beiträge zur Brainstorming-Bar
Hallo Frankfurt Beitrag von Jürgen Eichholz >>
Blog „Die Welten verbinden“ >>
3D-Scans von Objekten von Johannes Göpel vom GoetheMakeLab

 

Blog vom historischen Museum >>


Zur Idee (bezieht sich auf eine Textstelle weiter oben >>)
So lange die Räume noch ohne Ausstellung sind … macht doch eine Führung zum Thema „Des Kaisers neue Kleidung“ – ganz ohne Objekte, nur mit wahnwitzigen Geschichten.

G
weiter Stöbern