Drei Figuren, die aus Gekritzel entstanden sind. Die Kritzelei wurde mit Augen, Beinen und Armen ergänzt. Etwas Farbe dazu und zu sehen sind links ein grünes monsterartiges Wesen, in der Mitte ein blaues eher menschlich aussehendes Wesen,  dass unter der Hand des Monsters angeordente ist und ein fliegendes, kleines Knachenknäul auf der rechten Seite

Eine Unabhängigkeitserklärung von digitalen Werkzeugen für alle, die sich auf neue Wege begeben wollen

Versteht mich nicht falsch, ich liebe digitale Werkzeuge. Ich nutze sie jeden Tag für die unterschiedlichsten Dinge. Aber für eine Sache sind sie meiner Ansicht nach überhaupt nicht gut geeignet: die Konzeptionsphase von Projekten, für die Phase in der man erste Ideen und Möglichkeiten auslotet.

Mir ist das zum ersten Mal richtig bewusst geworden, als ich zusammen mit einem Kollegen an einem Entwurf für eine Website arbeitete. Ich gab ihm Feedback zur Gestaltung und er verstand nicht, was ich meinte. Ich setzte mich kurz hin und überlegte mit Stift und Papier, was ich will, und schickte ihm die Skizze zu. Er verstand und sagte zu mir: „Weißt du, was da passiert ist? Ich bin einfach nicht auf die Idee gekommen, das so umzusetzen, weil es innerhalb des Programms, in dem ich arbeite, nicht gut zu machen ist. Und da hatte ich eine Schranke im Kopf.“

Figur hat einen Balken vor den Augen. Der Balken ist Teil eines Grafikprogramms mit Angaben für die Strichdicke. In der linken Hand hat die Person einen weiteren Teil aus dem Programm, mit der Bezeichnung für die Art des Striches. In der anderen Hand hält sie normierte Striche. Den Hintergrund der Figur bilet ein Raster mit Kästchen

Seit diesem Gespräch, achte ich darauf, was mit mir selbst passiert, wenn ich direkt mit digitalen Werkzeugen arbeite:

1. Ich neige dazu, gleich viel zu viel auszuarbeiten

Digitale Werkzeuge verführen dazu, Ideen sofort detailliert auszuarbeiten. Das kann den kreativen Prozess einschränken, weil man sich zu früh auf bestimmte Details festlegt, anstatt den Ideen erst einmal freien Lauf zu lassen.

 

2. Ich denke nicht so schnell „Out of the Tool“

Innerhalb eines Programms zu arbeiten, kann die Kreativität begrenzen. Der Wechsel zwischen verschiedenen digitalen Werkzeugen erfordert oft zusätzlichen Aufwand, was die Spontaneität und den freien Gedankenfluss behindern kann. Wenn man es nicht für unbedingt notwendig erachtet, versucht man unbewusst den Mehraufwand zu vermeiden. In der Entwurfsphase, weiß man aber oft noch nicht genau, was unbedingt notwendig sein könnte.

 

3. Es besteht die Gefahr, mit den voreingestellten Strichbreiten, Schriftgrößen, Features zu arbeiten

Vorgegebene Einstellungen und Funktionen der Programme können unbewusst den kreativen Prozess beeinflussen. Man passt sich den Werkzeugen an, anstatt dass man die Werkzeuge die eigenen Bedürfnisse anpasst.

 

4. Ich denke eckiger und weniger über Ränder hinweg

Digitale Werkzeuge haben oft feste Strukturen und Rahmenbedingungen, die den Denkprozess einschränken. Mit Stift und Papier ist es leichter, über den Rand hinaus zu denken und ungewöhnliche Ideen zu entwickeln.

 

5. Weil ich einen „Fehler“ nicht einfach löschen kann, entsteht daraus vielleicht eine Anregung, die ich noch nutzen kann

Fehler oder unerwartete Striche auf Papier können zu neuen Ideen und Anregungen führen. In digitalen Werkzeugen neigt man dazu Fehler sofort zu löschen, wodurch diese kreativen Impulse verloren gehen können.

 

Neben den eigene Beobachtungen, gibt es auch noch andere Vorteile:

Physische Aktivität und Konzentration

Die physische Handlung des Schreibens und Zeichnens mit Stift und Papier schafft eine stärkere Verbindung zu den eigenen Gedanken und Ideen. Studien haben gezeigt, dass das handschriftliche Notieren von Ideen das Gedächtnis und die Verarbeitung von Informationen verbessert.

 

Reduzierung von Ablenkungen

Digitale Werkzeuge sind oft mit zahlreichen Ablenkungen verbunden, sei es durch Benachrichtigungen, E-Mails oder andere Anwendungen. Stift und Papier bieten eine ablenkungsfreie Umgebung, die es erleichtert, sich voll und ganz auf die Ideenfindung und -entwicklung zu konzentrieren.

 

Zugänglichkeit

Stift und Papier sind immer verfügbar und erfordern keine technischen Ressourcen oder Energie. Sie sind überall einsetzbar und unabhängig von digitalen Plattformen oder Stromquellen. So ist man schneller dabei auch an ungewöhnlichen Orten zu entwerfen oder zu konzipieren, was wiederum sehr anregend für die eigene Arbeit sein kann.

 

Figur hat einen Stift in der Hand. Rote Farbe kommt aus dem Strift und eine rote line führt geschwunden vom Stift zum Haar und über das Haar zu einem Blatt Papier. Den Hintergrund der Figur bildet ein geschwungenes drei-D-Raster

Paradoxes Erfolgsrezept: Rückbesinnung als Innovationsmotor

In einer Zeit, in der Fortschritt fast synonym mit digitaler Transformation ist, mag der Ratschlag, zurück zu Stift und Papier zu greifen, anachronistisch erscheinen. Doch genau hier liegt die Stärke: In einer Welt, die von digitalen Lösungen dominiert wird, bietet das Analoge einen frischen Blickwinkel und erweiterte Handlungsräume. Es ermöglicht uns, aus den gewohnten digitalen Mustern auszubrechen und kreative Schranken zu durchbrechen.
Stift und Papier sind keine Relikte der Vergangenheit, sondern Werkzeuge, die uns helfen, die digitale Welt intelligenter zu navigieren. Durch die bewusste Integration analoger Techniken in unseren digitalen Alltag schaffen wir eine Balance, die nicht nur unsere Kreativität, sondern auch unsere Problemlösungsfähigkeiten auf ein neues Niveau heben kann.

 

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Courage-Lab

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The Courage Project began with a simple question: *“What is courage?“ I wanted to explore the topic more deeply.
This led to a series of 26 posters – a visual impulse for each letter of the alphabet, from „The Courage to be Active“ to „The Courage to ZigZag“.

Das Courage-Projekt begann mit einer einfachen Frage: Was ist Courage? Ich wollte mich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.
So entstand eine Serie von 26 Postern – für jeden Buchstaben des Alphabets ein visueller Impuls zum Thema Courage. Von *The Courage to be Active* bis *The Courage to ZigZag*.

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