Multimediale eBooks gestalten

Feb 9, 2018 | 2 Kommentare

eBook interaktiv Pubcoder

Multimedial, interaktiv gestaltete eBooks sind noch eher eine Seltenheit. Das liegt unter anderem daran, dass das notwendige Format (ePub3) noch nicht von vielen eBook-Readern vollständig unterstützt wird. Heißt: sie lassen sich nicht auf jedem Gerät einfach abspielen.
Das wird sich bald ändern. Die multimedialen / interaktiven Standards für eBooks werden mit den Jahren sukzessive erweitert werden. Entsprechende Kämpfe mit dem, was technisch möglich und was von den meisten Plattformen unterstützt wird, kennen alle, die mit Webentwicklung zu tun haben schon seit „Anbeginn der Webzeit“.
Auch beim Deutschen E-Book-Award 2017 zeigte sich eine Tendenz zum multimedial gestalteten Buch. Bei der Betrachtung der prämierten Bücher wird aber noch etwas anderes deutlich: die Grenzen zwischen dem, was wir traditionell als Buch bezeichnen und anderen Medientypen verschwimmt zusehends. Es wird herauszufinden sein, welche Formen sich durchsetzen. Letztendlich sind die Kategorien nicht wichtig. Wichtig ist, ob die Geschichte gut erzählt oder der Inhalt passend präsentiert wird.
Klar ist: je multimedialer, desto aufwändiger gestaltet sich die Produktion. Und: je mehr Medien man einem „Buch“ hinzufügt, desto weniger Fantasie wird benötigt, um sich die Geschichte erzählen zu lassen. D.h. es geht auch darum, sich darüber bewußt zu werden, bei welchen Inhalten eine multimediale Darstellung hilfreich und sinnvoll ist und bei welchen nicht. Dosierung der Medieninhalte und gekonnte Integration spielen hier eine große Rolle.

Interessant ist, was sich auf dem Softwaremarkt zum Thema eBooks tut. Es gibt Versuche die eBook Gestaltung aus der reinen Technikecke herauszuholen. So soll auch den Geschichtenerzählern, die sich nicht mit html, css und JavaScript auskennen wollen, die Möglichkeit gegeben werden, ein eBook zu erstellen. Dies geschieht auf zwei Ebenen. Zum einen haben sich viele Plattformen entwickelt, die es Selfpublishern ermöglichen, relativ einfach ihr Manuskript hochzuladen und dann ein eBook auf vielen Plattformen zu veröffentlichen. Hier geht es nicht darum kunstvoll oder digital-innovativ gestaltete Bücher zu produzieren, sondern hauptsächlich darum, den Text zum Leser zu bringen. Möglichst direkt und ohne zu viel Aufwand. Die andere Entwicklung ist die, dass man den Menschen, die mehr in Bildern und mit Interaktion erzählen wollen (erste Zielgruppe hier: die Bilderbuchautoren und Autorinnen) das Selfpublishing ermöglichen will. Zur Zeit schaut man sich eBooks, die mit viel Interaktion arbeiten am besten auf Applegeräten an. Bilderbücher auf dem iPad, ist zur Zeit das Format, das die beste Performance ermöglicht. Daher verwundert es nicht, dass die Software in diesem Bereich stark auf die Illustratoren-Apple-Szene ausgerichtet ist.
Im Augenblick gibt es zwei Programme, die dieses Segment bedienen.

TigerCreate und PubCoder

TigerCreate gibt es leider nur für das Apple Betriebssystem. Die Software wurde im letzten Jahr runderneuert und stand länger nicht zur Verfügung. Jetzt ist sie zurück auf dem Markt und verspricht viel. Reizvoll? Auf jeden Fall! Ich finde jedoch immer besser, wenn Software auf möglichst vielen Plattformen zu nutzen ist und so fiel mein Blick auf die Software PubCoder (Mac und Windows). Ich habe mich mit Hilfe eines kleinen eigenen Projektes eingearbeitet. Ein paar Erfahrungen und Einschätzungen aus diesem und einem weiteren Projekt, welches ich mit der Software realisiert habe, will ich hier teilen. Sollte Interesse an einer echten Softwarekritik/beschreibung bestehen, dann teilt mir mit, was euch interessiert.

Pubcoder Interface

PubCoder Interface Version 3.0

 

Gleich vorweg: Ja es wird für beide Plattformen produziert, aber man merkt deutlich, dass auch PubCoder zuerst einmal für die MacUser entwickelt wird. Updates werden erst für den Mac und dann für die PC-Version erstellt und unter Windows stürzt das Programm unerfreulich oft ab. Beim Mac ist dies nicht der Fall. Soviel zwischengesichert und geflucht, wegen unnötig zu wiederholender Arbeitsschritte, habe ich lange nicht mehr. Es ist eine neue Version von PubCoder erschienen (Version 3.0). Ich habe sie noch nicht exzessiv getestet, aber im Augenblick sieht es so aus, als ob sich diese Absturzproblematik mit dem Update stark verbessert oder vielleicht sogar erledigt hat.
Aber nun zu den eindeutig erfreulichen Features von PubCoder. Das Programm ist logisch aufgebaut und man kann sich schnell einarbeiten. Die Features, die das Programm verspricht funktionieren auch (sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber bei vielen Programmen nicht).
Sehr gut gefällt mir, dass man ein offenes System erstellt hat, in dem es auch möglich ist eigenen Code über die Bedienoberfläche zu integrieren: z. B. html, JavaScript, CSS. In meinem Pilotprojekt habe ich keine zusätzlichen Widgets oder Javascript genutzt, d.h. alles was man dort sieht ist über Standardfunktionen zu realisieren.
Die wichtigsten interaktiven Features aus meiner Sicht: Drag and Drop, Maskierung, Zoomfunktion, Abspielen von Sound und Videos, Vorlesefunktion.
Es gibt sehr viele Events auf die reagiert werden kann. Vom einfachen anklicken eines Objektes, über Schütteln des Devices, bis hin zum Zweifinger-Zoom. Allen Events lassen sich eine Vielzahl interaktiver Aktionen zuordnen und so können auch Autoren und Autorinnen ohne Programmiererfahrung interessante interaktive Geschichten erstellen.Eine große Verbesserung der neuen Version ist, dass der Texteditor einfacher ins Programm integriert ist. Das erleichtert die Arbeit sehr. Die regulären Tools des Programms sind ordentlich dokumentiert, allerdings für die komplexeren Aktionen, wie JavaScript Integration, Widgets, Ausgabeformate wäre eine ausführlichere Dokumentation hilfreich.

Auf meiner Wunschliste für PubCoder stehen die folgenden Features:

  • Pfadanimation
  • Grid, das man hinterlegen kann – dann muss man sich nichts selbst basteln
  • Wenn man Bilder auf die Bühne zieht, erstmal 100 % Darstellung, wenn nichts anderes angegeben wurde
  • Ansicht der Texte auf Bühne pixelgenau, wie für definiertes Ausgabegerät
  • mehr Stabilität des Programms auf dem PC
  • bessere Dokumentation

Das Programm wird zu einem fairen Preis angeboten und kann  für 30 Tage mit vollem Funktionsumfang unentgeldlich getestet werden.

Zu guter Letzt

Mich würde interessieren, ob ihr Erfahrungen mit PubCoder oder Tigercreate habt. Was ihr von den Programmen haltet und wie ihr sie einsetzt. Oder kennt ihr weitere, vergleichbare Software?

2 Kommentare

  1. Hallo ich bin interessiert mehr über PubCoder zu erfahren. Könnten Sie mir evtl. ein deutsches Forum empfehlen!

    René Götze

    Antworten

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